Die mittelständische Kunststoffspritzerei setzt auf die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft
Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft? Noch immer ist das in Deutschland vergleichsweise wenig verbreitet. Dass die Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschulen jedoch nicht nur für Konzerne großes Potenzial birgt, zeigt die mittelständische Kunststoffspritzerei Gassmann Kunststofftechnik GmbH aus Obermichelbach im Landkreis Fürth. Ihr Partner: der Lehrstuhl für Kunststofftechnik (LfK) der Universität Erlangen-Nürnberg.
FÜRTH - Andreas Leinberger, Kunststofftechnik-Ingenieur bei Gassmann, hat ein großes Ziel: «Durch Strahlung vernetzte, flexible Kunststofffolien. Die sollen auch bei hohen Temperaturen bis 550 Grad bleifrei gelötet werden können und dabei mechanisch stabil bleiben.» Dann könnten nämlich auf Folien montierte Bauelemente auch in Autos eingebaut werden. Die bisherige Höchsttemperatur solcher Produkte liegt bei 140 Grad - für Fahrzeuge zu wenig.
Elektronik trifft Spritzguss
Die Lösung, um Elektronik auf spritzgegossene Kunststoffteile zu bringen, könnten Uni-Forscher aus Tennenlohe gefunden haben. Das neue Verfahren soll nun bei Gassmann getestet werden. In den nächsten 34 Monaten muss sich beweisen, ob damit flexible Elektronik auf Spritzguss möglich ist.
«Wir wollen lieber mit der Wirtschaft zusammenarbeiten und nicht nur wissenschaftliche Veröffentlichungen schreiben», sagt Lehrstuhlleiter Ernst Schmachtenberg zu der Kooperation. Das freut Gassmann-Geschäftsführer Andreas Munkert: «Wir versuchen, durch Hochtechnologie Einzigartigkeit zu erreichen» - und damit dem Preiskampf mit der Konkurrenz ums billigste Kunststoffgehäuse zu entkommen.
Deshalb wollen Gassmann und der LfK bis 2010 über eine Mio. € in die Forschung stecken. Der 70-Mitarbeiter-Betrieb aus dem Landkreis Fürth und der Lehrstuhl mit 50 Forschern haben Zuschüsse für ein Verbundvorhaben beantragt: Bayerns Wirtschaftsministerium schießt die Hälfte zu. Allerdings seien bis zum Bescheid bereits 18 Monate Vorarbeit ins Land gegangen, so Munkert. Die «Forschungstiefe» musste gewährleistet, ein vom bayerischen Ministerium beauftragter «Projektträger» aus dem rheinischen Jülich von Sinn und Qualität des Projekts überzeugt werden.
Der Freistaat fördert
Drei Viertel der Kosten entfallen auf das eingesetzte Personal: Allein am LfK werden zwei festangestellte Forscher und ein Student voll vom Freistaat bezahlt. Die Arbeiten bei Gassmann werden dagegen nur mit 30 Prozent bezuschusst. Doch Geschäftsführer Munkert hofft, dass «auch die eine oder andere nützliche Erkenntnis neben dem Projekt» für sein Unternehmen übrigbleibe, Forschungsabfall gewissermaßen.
Es ist deutlich zu spüren: Die Forscher aus Erlangen und die Unternehmer aus Obermichelbach «können» miteinander. «Besser kann die Kommunikation nicht laufen», lobt beispielsweise Projektleiter Leinberger das Uni-Team in den höchsten Tönen. Schmachtenberg bestätigt: «In dieser Umsetzung für die Elektronik ist Gassmann die einzige Firma, die mit uns zusammenarbeitet.» Ansonsten kooperiere der Lehrstuhl eher mit Großunternehmen aus der Autobranche: «Es ist für uns manchmal nicht so einfach, mit Mittelständlern ins Gespräch zu kommen.»
Heinz Wraneschitz
© NÜRNBERGER NACHRICHTEN
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